Soziologisches
Die designtextur äußert sich heute mal ganz ungefragt zu einem Thema, das dieses Land spätestens seit Ellmayers Auftritt bei Dancing Stars irgendwie gar nicht mehr los lässt: Genau. De Krocha.
Nicht, dass diese im wahrsten Sinne des Wortes bunte Jugenkulturbewegung uns bei unserer täglichen Arbeit beeinflussen würde, aber man kann sich der Faszination irgendwie einfach nicht erwehren. Das mag auch daran liegen, dass man halt älter wird. Und dieses Alter bedingt emotionale Regungen, die schwer zwischen Ungläubigkeit und Faszination hin und her wabern. Gut, rein linguistisch betrachtet ist „Baaaam, Oida“ ja mittlerweile schon ein echter Soziolekt, quasi. Und ein gelungener noch dazu. Weil die Emos nämlich können damit nicht aufwarten. Denen bleibt nur die gespielte Tristesse und Gusenbauers Tochter als Idol. Auch gut.
Zurück also zu den Krochern (oder schreibt man das jetzt vielleicht doch Krocha…?). Als Marketer stellt man sich ja gezwungenermaßen die Frage, ob man diese Gruppe in eine Zielgruppe verpacken kann. Oder eine Zielgruppe draus machen kann, der man auch was andres als Neon-Kapperln verkaufen kann. Denn die Krocha sind junge Menschen, und junge Menschen sind leicht anzusprechen, wenn man ihre Bedürfnisse kennt. Ein paar Anregungen also für die Industrie von unserer Seite:
1.) Ein Getränk muss her: Wir empfehlen das „Krocherl“, eine Mischung aus Himbeerkracherl und der Essenz aus grünen Gummischlangen. Für die Farbe.
2.) Ein Lokal muss her: Wir empfehlen eine ausrangierte Fabrikshalle irgendwo am Stadtand von Wien (Name: Fixo(i)da), mit inkludiertem Ballsaal. Dort kann Ellmayer Tanzkurse geben. Als Guest-DJs dürfen die Krocha selbst auflegen. Für den besten Dancer des Abends (Contest 1x im Monat) gibts einen Ausflug in die Produktionsstätte von Ed Hardy.
3.) Internet Plattform: Eh klar. Mit Voting-System für die besten Home Videos.
4.) Krocha Sonnenstudios: Bieten nur höchste Bräunungsstufen an und musikalische Untermalung im Stile der frühen 90er Jahre Euro-Trash Zeiten.
5.) Bewegungsseminare: Seminare zur perfekten Krocha-Haltung. Kurse für waberndes und buckliges Gehen und Stehen und Wanken, Die richtige Hand-in-Hosentasche-Pose, Gestik & Mimik, Verführung am Parkett.
Ach, es gäbe so viele Marktlücken zu füllen…
So, und wer dies jetzt alles gelesen hat und immer noch nicht weiß, wie ein Krocha genau aussieht, der sieht sich jetzt am besten die geniale Illu von der hoch geschätzten Frau Andrea Maria Dusl an (Falter, März 2008).
Im Übrigen: Wir mögen die Krocha. Super Sache, das.
[...] ist unter die Krocha gegangen, die nun eigentlich schon alles haben – außer den passenden Merchandisingprodukten. Fix Oida! [...]